Dienstag, 12. Januar 2016

Silvester in Köln

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und in anderen Städten habe ich Freunde, Verwandte und Bekannt gebeten, kurze Statements abzugeben und folgenden Kommentare zugeschickt bekommen:

"Sexuelle Übergriffe und Gewalt in vielen deutschen Großstädten.” Nach übereinstimmenden Berichten von lokalen und überregionalen Zeitungen handelte es sich bei vielen Tätern um Asylbewerber. Ich bin schockiert und sehr enttäuscht, wie man die Gastfreundschaft eines Landes so mit Füßen treten kann. Das hätte ich nie erwartet. Der Umgang mit der Polizei ist an Respektlosigkeit wohl kaum zu überbieten.
Bisher hatte ich nie ein schlechtes Gefühl, wenn ich an einer Gruppe Asylbewerber vorbeigegangen bin, die man seit neuestem viel in Köln sieht. Dieses Vertrauen wurde durch eine kleine Gruppe von Verbrechern gestört, denn kriminelle und anständige Flüchtlinge kann man leider nicht auseinanderhalten. Das ist unglaublich schade, da ich dieses Gefühl der Unsicherheit in Deutschland  bisher nicht kannte. Insbesondere nach meinem Aufenthalt in Mexico City habe ich die Sicherheit in Deutschland schätzen gelernt.
Man darf jetzt aber auch nicht den Fehler machen, alle Asylbewerber in eine Schublade zu stecken. Trotzdem erhoffe ich mir, dass die Politik reagiert und zwar nicht mit schwachsinnigen Hinweisen, dass man ja einfach eine Armlänge Abstand halten könne. Es muss definitiv Änderungen geben, denn es kann nicht sein, dass Flüchtlinge Straftaten mit bis zu drei Jahren Freiheitsentzug begehen können, ohne dass dies Einfluss auf das Asylverfahren hat. Es muss zwingend reagiert werden, sonst befürchte ich einen starken Rechtsruck - und das will wohl niemand ernsthaft.

Tim, 25, Student in Heidelberg


Die Deutschen haben die Kontrolle zuerst an der Grenze und jetzt in den Ländern und Städten verloren. Das, was sich in Köln abgespielt hat, gab es in den Ballungsgebieten schon länger. Das ist Realität. Die deutsche Politik hat diese Fakten ignoriert. Sie passten nicht zur Willkommenskultur. Nicht fremdenfeindlich sein, das war die Devise. Soziale Institutionen blendeten diese Vorfälle aus und stellten die Täter medial als traumatisierte Opfer dar. Dass die selben Institutionen finanziell profitieren, ist für die ein erfreulicher Nebenaspekt.
Spötter sprechen in Anlehnung ans "RAF"-Vokabular (Militärisch Industrieller Komplex) vom Sozial Industriellen Komplex, der Deutschland beherrscht. Motto: Die Sozialingenieure werden es schon richten.  Andere Meinungen, für demokratische Gesellschaften ein Grundpfeiler, werden mit moralischer Empörung niedergemacht. Man kennt es aus Diktaturen, wenn Menschen nur hinter vorgehaltender Hand ihre Meinung zu äußern wagen.
Es ist allen klar, dass nur eine Minderheit solche Exzesse begeht. Klar ist auch, dass Deutschland Flüchtlingen hilft. Was den Zustand der Gesellschaft angeht, gibt es einen Gradmesser: Fragt Polizisten und Lehrer, dann wisst Ihr (Politiker), was los ist.

Jannik, 48,  Polizeibeamter, Hamburg


Angela Merkel („Wir schaffen das!“) kann man seit Silvester endlich antworten, ohne als rechtsradikal beschimpft zu werden: „Wir schaffen das - nicht.“ Der deutschen Presse, den deutschen Behördenleitern und den deutschen Politikern glaube ich schon lange nicht mehr. Sie haben alle die gleiche Angst, nämlich als politisch rechts zu gelten. Da lügen sie lieber, als die Probleme beim Namen zu nennen. Ich lese fast nur noch ausländische Presse zum Thema Deutschland, die ist unbefangener.
Ich wollte Anfang Januar, noch in den Weihnachtsferien, mit meinen fünf Kindern mit dem Zug nach Köln fahren. Im römisch-germanischen Museum läuft eine Sonderausstellung über Agrippina, eine vor 2000 Jahren in Köln geborene römische Kaiserin. Das haben wir dann nicht mehr gemacht; die Stimmung im Zentrum von Köln ist mit dem Demonstrationen zu aggressiv. Zurzeit fühlen wir uns in der Kleinstadt wohler, nachdem wir schon 2015 unangenehme Erfahrungen am Hamburger Hauptbahnhof gemacht hatten, als unser 11-jähriger Sohn attackiert wurde.

Stefanie, 40 Jahre, Hausfrau, Rheine


Die Silvesterübergriffe in Köln finde ich schrecklich. Ich hoffe, dass die Polizei bei der Suche nach den Tätern und der Aufklärung der Geschehnisse vorankommt. Was mir jedoch mehr Sorgen bereitet ist die zunehmende Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Ausländer, die ich in den letzten Tagen beobachtet habe. Bei Facebook haben viele Nutzer Verallgemeinerungen und Hass zum Ausdruck gebracht und heute morgen wurde von Angriffen auf Ausländer berichtet.
Bisher weiß die Polizei noch nicht, ob die Angriffe einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatte.

Franzi, 26, Studentin, Köln 


Wir haben uns alle gründlich empört über das Benehmen dieser Flüchtlinge gegenüber Frauen ihres Gastlandes während der Silvesternacht in Köln. Wir finden alle, dass diese Typen sofort zurückgeschickt werden müssten, woher immer sie gekommen sein mögen. Gestern hörten wir aber unsere NRW Ministerpräsidentin Kraft darlegen, dass erstens die Identifizierung nicht so einfach ist, zweitens dass die betreffenden Ländern sich wahrscheinlich weigern, diese Typen zurückzunehmen.
Ein anderer Gesichtspunkt ist die völlig unzureichende Arbeit und Wachsamkeit der Polizei, die offensichtlich gar nicht mitkriegte, was da ablief. Der Innenminister behauptet, die amtierenden Polizisten hätten sofort Verstärkung ordern können, aber sie kamen gar nicht auf die Idee. Nun haben wir Ähnliches bis jetzt ja auch noch nicht erlebt!
Dennoch werden wir dieses schlechte/kriminelle  Benehmen von  Einzelnen oder gar einer organisierten Gruppe nicht auf die mehr als 1 Millionen Flüchtlinge in unserm Land übertragen, die zumeist wirklich aus Syrien, Irak und Afghanistan kommen, wo ich selbst auch nicht leben möchte.
Leider ist ein solches Ereignis wie in der Kölner Silvesternacht Wasser auf die Mühlen der Nationalisten (Pegida, AfD, NPD)
[Im vorigen Jahr stellten noch die Wirtschafflüchtlinge aus dem Westbalkan die .Mehrheit der Asylsuchenden. Auch die sind oft nicht abzuschieben, obwohl ihre Staaten inzwischen zu sicheren Herkunftsländern erklärt wurden. Aber Hunger wäre für mich auch ein Grund, mein Land zu verlassen.  Im Augenblick scheinen jedoch die Kriegsflüchtlinge am schlechtesten dran zu sein.]

Hier in Münster haben wir 5000 Flüchtlinge. Vor allem in kleineren Orten - z.B. Salzbergen - ist das Verhältnis der Einheimischen  zu ihren Flüchtlingsfamilien in der Nachbarschaft und umgekehrt zumeist sehr gut. Doch auch in Madrid weht ja am Rathaus eine Fahne mit der Aufschrift: "Flüchtlinge willkommen". Die anderen osteuropäischen Staaten (Polen, Tschechien, Slovakei, Ungarn) reiben sich die Hände, dass sie doch nicht so blöd sein werden wie die Deutschen.  Heute las ich, dass Österreich 3ooo Flüchtlinge abgewisen hat, nachdem deren Aussagen über ihre Herkunft mit Hilfe von Dolmetschern untersucht wurden. Die konnte die arabischen Dialekte identifizieren und dadurch die Herkunftsländeridentifizieren, auch gegen die Falschaussagen der Ankommenden. Sehr gut!

Gertrud, Rentnerin, Münster